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Online-Magazin - Magazine - Ausgabe 4 - 2000

 Sterben, Tod und Trauer - Bestattungsrituale - Teil 2

Bestattungsformen und Grabanlagen der Vor- und Frühzeit

Seit Menschen auf der Erde leben bestatten sie ihre Toten. Dies geschieht in den vielfältigsten Formen und ist von unzähligen Faktoren abhängig. Die meisten Gräber verschwanden im Laufe der Zeit. Doch einige blieben erhalten und zeigen auch heute noch wie und mit was unsere Vorfahren "gebettet" wurden. Nicht nur die Region und der Entwicklungsstand, sondern auch die jeweils herrschende (Hoch-)Religion beeinflußten die Bestattung am maßgeblichsten. Viele der im Folgenden aufgeführten sepulkralen Formen werden auch in unserer Gegenwart - zum Teil abgewandelt oder ergänzt - praktiziert.

Der seßhaft gewordene Mensch der meisten Kulturen bestattete seine Toten, im Gegensatz zu Normaden, in Gemeinschaftsstätten. Dies waren unter anderem künstlich aufgeschüttete Erdhügel, Höhlen oder Katakomben, Felder (Lichtungen, Berghänge,...), Inseln und andere Plätze, die wie Friedhöfe fast ausschließlich für Begräbnisse bestimmt waren. Es gab ebenso Religionen, bei denen, trotz urbaner Lebensweise, die Anlegung solcher Totenstätten die Ausnahme darstellte. Diese bevorzugten dann zumeist die Brandbestattung, deren Überreste häufig dem Wasser (Fluß oder Meer) übergeben wurden. Die vier Urelemente Erde, Wasser, Feuer und Luft spielten bei den alten Völkern eine große Rolle. Die "Mutter Erde" war für viele der Mutterschoß, in den der Verstorbene zur Wiedereingliederung in den Kreislauf von Fruchtbarkeit und Wiedergeburt zurückgegeben wurde. Das Wasser hatte, neben seiner mythischen Sinndeutung als Grenze zwischen dem Diesseits und dem Jenseits, ebenso wie das Feuer, reinigende Kraft. Licht und Feuer waren Synonyme für mythische Erfahrungen in der Abgrenzung zu nacht, Dunkel und Kälte. Die Luft war ein Medium der Bewegung.

Grabanlagen wurden schon früh gekennzeichnet und geschützt. Einige steckten einen Gegenstand (Zweig, Gräten, Pflanzen, ..) in die (leicht hügelige) Grablage, andere beschwerten das Grab mit Steinen. Aus der Zusammenfassung beider Methoden entwickelten sich die Hünengräber. Dabei bildeten große Steine eine meist längliche Grabkammer, in der ein oder mehrere Tote bzw. deren Asche, je nach Ansehen, Stand, und/oder Geschlecht getrennt, mit Grabbeilagen für das Leben ins Jenseits, bestattet wurden. Ein großer, flacher Stein (Monolith genannt) bildete einen deckelförmigen Abschluß. Darüber wurde Erde aufgeschüttet. so daß weithin sichtbare Hügel entstanden. Bei einer anderen Form der Erdbestattung wurde nur ein einzelner, unbehauener, aufgerichteter Stein (Menhir genannt) auf das Grab gestellt. Die Steinauflage schützte die Lebenden wie die Toten gleichermaßen vor der gefürchteten Wiederkehr des Verstorbenen als sogenannten Untoten. Die meisten Toten wurden in gebeugter oder seitlicher Lage bestattet. Die Asche Verbrannter befand sich in einzelnen Tongefäßen. Hünengräber findet man nicht nur in West- und Nordeuropa, sondern auch im Mittelmeerraum, sowie in Asien und Nordafrika; Menhire vor allem in Frankreich, Irland und England.

In Skandinavien wurden Königsgräber gefunden, bei denen der Verstorbene unter einem fast 20 Meter hohem Erdhügel mit reichhaltigen, kostbaren Beilagen bestattet war. Diese, aus klimatischen und topographischen Gegebenheiten, reinen Erdhügel nennt man Tumuli. Die um die selbe Zeit entstandenen Pyramiden in Ägypten sind aus Kalkstein errichtet. Beide Sepulkralbauten dominieren die Landschaft. Nicht so Vermögende erhielten oder bauten schon zu Lebzeiten kleinere oder kleine, abgeflachte Grabstätten.

Die Verbrennung der Toten - die Feuerbestattung - erfolgte unterschiedlich. Unsere Vorfahren errichteten zum Beispiel an bestimmten Plätzen Reisig- ,Holz oder Heuhaufen und verbrannten darauf ihre Verblichenen. Oder sie nahmen riesige, mühevoll grob gehauene Steinsärge, legten ihre Toten hinein und brennbares Material hinauf. Bei dieser Methode wurde der Steinsarg immer wieder verwendet und nur, wie im vorhergehenden Fall, die Asche bestattet, sprich der Erde, dem Wasser oder der Luft übergeben.

Den Menschen wurden alltägliche Gebrauchsgegenstände und Schmuck mit ins Grab gelegt. So fand man neben und in verschieden großen und geformten Ton- und Metallgefäßen diverse Schab-, Schneid- und Mahlwerkzeuge als auch Speerspitzen, Schnallen und Ringe, sowie Kämme und Nähnadeln. In Zusammenarbeit mit Medizinern, denen auch Fortschritte im Bereich der Gerichtsmedizin zugute kommen, können Archäologen heute immer genauere Angaben zu Lebenserwartungen und Todesursachen der Bestatteten machen. Knochenfunde, vor Jahrhunderten in Grabungsprotokollen nicht einmal erwähnt, erweisen sich nun als Quellen zu Alter, Geschlecht, Krankheit und Todesursache einer früheren Bevölkerung.

In den alten Kulturen des Mittelmeerraumes, als auch bei den Germanen und Slawen galt es als schimpflich, nach dem Tod unbestattet liegen zu bleiben. Sogar Verbrecher und Feinde hatten das Recht auf ein Begräbnis. Diese Einstellung änderte sich leider im Laufe der Jahrhunderte, doch dazu mehr in den nächsten Ausgaben.

Text: Fred Brilatus
 

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