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Online-Magazin - Magazine - Ausgabe 4 - 2000

 Die Kelten I

Stellt euch vor, Ihr geht über einen Mittelaltermarkt: vorbei an Met- und Kräuterständen kommt Ihr mit Sicherheit auch an einen Stand, der Schmuck feilbietet, der dem der Kelten nachempfunden ist. Manch einer wird so ein Schmuckstück erstehen – sei es, weil es ihm einfach nur gefällt oder weil er um seine symbolische Bedeutung weiß. Aber was wissen wir eigentlich von den Kelten? Was waren sie für Menschen? Wann und wie lebten sie? Darüber gibt es viele Klischeevorstellungen und Halbwahrheiten. Das mag daran liegen, daß es selbst für die Wissenschaft schwer ist, daß Phänomen Kelten zu erfassen. Es ist sogar problematisch, von “den Kelten” zu sprechen, denn die Kelten waren keine biologische Rasse, sondern eine Sprach- und Kulturgruppe, die sich aus der Vermischung keltischer Stämme mit den verschiedensten europäischen Ureinwohnern ergeben hat. Ihre Zeit in der europäischen Geschichte erstreckt sich über einen Zeitraum von etwa 1000 Jahren (grob gesagt von ca. 450 v. Chr. bis 450 n. Chr.).
Was wir heute über die Kelten wissen, setzt sich zusammen aus Erkenntnissen der Wissenschaft (vor allem der Sprachwissenschaften und der Archäologie) und den Überlieferungen der klassischen griechischen und römischen Autoren.
In dieser und den nächsten Ausgaben wollen wir den Vorhang der Geschichte ein wenig anheben und das Zeitalter der Kelten näher betrachten.

Siedlungsgebiete

Das meiste, was man heute über die keltischen Stämme und ihre Wanderungen weiß, wurde von antiken griechischen Autoren wie Hekataios von Milet oder Herodot aus Halikarnassos niedergeschrieben. In ihren Aufzeichnungen taucht als erstes der Name Kelten (Celtoi) auf. Beide lebten im 5. Jahrhundert vor Chr. und stammten von der kleinasiatischen Westküste. Von jenem Gebiet also, in das auch die Kelten eindrangen.
Auch aus den Schriften römischer Autoren wie Livius oder Polybios konnte man vieles über das Leben der Kelten in Erfahrung bringen.
Die zweite wichtige Quelle sind die archäologischen Ausgrabungen, sei es die Entdeckung von Gräbern oder von Resten alter Siedlungen. Den Archäologen gelang es, bestimmte Schmucktypen einer eindeutigen Region zuzuordnen. Diese Stücke hatten wiederum ein ganz bestimmtes Verbreitungsgebiet. Durch die Ausbreitung der Hallstatt- und La-Tène-Kultur konnten die Wege der Wanderungen nachvollzogen werden bzw. war die Möglichkeit gegeben, die gefundenen hochentwickelten keltischen Kunstwerke einem Stamm zuzuordnen. Die Spuren der Kelten verlieren sich jedoch immer wieder und treten an anderer Stelle unvermutet auf, so daß eine lückenlose Geschichtsschreibung über die keltischen Völker kaum möglich sein wird.

Die Vorfahren der Kelten kamen aus dem Osten. Es war ein Volk, das indogermanisch sprach und aus dem nicht nur die Kelten sondern auch die Inder, Armenier und Römer hervor gingen. Dieses Volk lebte am Rande des Urals und machte sich von dort aus in den Westen auf. Um 1800 v. Chr. entstand im heutigen Böhmen die s.g. “Aunjetitzer Kultur” (genannt nach einem archäologischen Fundort unweit von Prag), aus der schließlich die Kelten, Italiker, Illyrer und Veneter hervorgegangen sind. Doch Böhmen war für die Kelten noch lange nicht die Endstation. Die Suche nach geeigneten Siedlungsgebieten, die gute Lebensbedingungen ermöglichten, der Druck der schnell wachsenden Bevölkerung, und kriegerische Auseinandersetzungen, etwa mit nachdrängenden Volksgruppen aus dem Osten, veranlaßten die Kelten zu ihren großen Wanderungen quer durch Europa.
Zunächst soll der Begriff “Wanderung” näher erläutert werden. Es wandern nicht nur Menschengruppen oder Einzelne, sondern man spricht auch von Wanderungen, wenn Sprachen, Kunststile oder Religionen auf andere Bevölkerungsgruppen übergehen.
Auch gibt es mehrere Gründe, die eine Ausbreitungswelle hervorrufen. Zum einen durch eine Übervölkerung in den ursprünglichen Siedlungsgebieten.
Hier wandern Gruppen mit dem Ziel der erneuten Seßhaftigkeit an einem ungefährlichen oder von der Natur begünstigten Ort. Durch Anpassung an neue Lebensgewohnheiten und Nachbargruppen können neue Stämme entstehen oder die Gruppe vermischt sich mit einem bereits bestehenden Stamm.

Ein zweiter Grund, die Heimat auf Dauer zu verlassen, sind Naturkatastrophen oder Kriege mit Nachbarvölkern. Manche Gruppen suchen auch hier einen neuen Ort, um seßhaft zu werden, andere stellen ihr Leben auf eine ”mobile Raubexistenz” um, d.h. sie ziehen durch fremde Länder und leben von Plünderungen.
Wandert ein Volk, so ist in der Geschichte zu beobachten, daß durch diese Bewegungen andere Stämme oder Gruppen mitgerissen werden. Man spricht dann von ”Wanderlawinen”.

Fest steht, daß bei den keltischen Stämmen alle Arten der Wanderungen anzutreffen sind.
Wir wollen nun versuchen, ausgehend von den erwähnten drei Ursprungsgebieten, die Wanderungen nach allen Himmelsrichtungen darzustellen:

Die ersten keltischen Siedlungsgebiete, die bekannt sind, erstrecken sich von der Champagne (Frankreich), Süddeutschland bis ins österreichische Donautal. Von hier aus erfolgten weitere bedeutende Wanderbewegungen.
Neuere Forschungen lassen vermuten, daß die spanischen und irischen Kelten, entgegen früherer Annahmen, doch Ureinwohner waren, die durch ihre Handelsbeziehungen Kunststile übernahmen. Aber auch bei diese Annahme geht man davon aus, daß in die jeweiligen Gebiete weitere keltische Stämme einwanderten.

Wanderungen nach Norden und Nordosten:
Nachweise für Vorstöße ins nördliche und nordöstliche Europa gibt es nur spärlich. Es konnte bis heute nicht geklärt werden, wieweit sich das Wohngebiet der Kelten nach Norden und Nordosten erstreckte. Die Ausbreitung nach Norden dürfte allerdings gering gewesen sein, zumal vom Norden die Germanen ihr Siedlungsgebiet nach Süden zu erweitern suchten. Dies ist ein Hauptgrund, warum die keltischen Stämme eher in südliche Richtungen auswanderten.
Im heutigen Deutschland breiteten sich Stämme von Süddeutschland am Rhein entlang bis zur Nordseeküste aus.

Wanderungen nach Osten:
Von Süddeutschland wanderten die Kelten am Istrois (der Donau) entlang wieder bis nach Böhmen. Die Bezeichnung Böhmen leitet sich vom Stamm der Bojer ab. Einige gelangten zum nördlichen Ufer des Schwarzen Meeres. Hier überfielen sie die griechische Kolonie Olbia und riefen so eine gewaltige Erschütterung in der klassischen Welt hervor.

Wanderungen nach Südosten
Von Süddeutschland und dem österreichischen Donautal wanderten Gruppen, durch das Donautal bis in die ungarische Tiefebene. Dies konnte anhand von Grabfunden rekonstruiert werden. So wurden beispielsweise in der Nähe des Plattensees in Ungarn Scheibenhalsringe einer Frau entdeckt, die für das Gebiet am Oberrhein typisch waren. Da dieser Schmuck außerhalb des Verbreitungsgebietes der oberrheinischen Stämme gefunden wurde, kann man davon ausgehen, das die Ringe durch die Wanderung einer Frau in dieses Gebiet gelangten.
Vom Gebiet des heutigen Ungarns aus, wanderten keltische Stämme in das westliche Karpatenbecken bis zum westlichen Ufer des Schwarzen Meeres.
Eine große Bestürzung lösten bei den Griechen jene Stämme aus, die über das heutige Slowenien nach Mazedonien und Nordgriechenland vordrangen und schließlich im Jahre 279 v.Ch. am Orakel in Delphi anlangten. Ob die Kelten Delphi plünderten, konnte bis heute nicht eindeutig nachgewiesen werden. Alte Quellen berichten Widersprüchliches: einerseits schrieben griechische Autoren vom erfolgreichen Eingreifen ihrer Götter, so daß das Orakel verschont blieb. Andere Quellen berichten über die Verwüstung der Orakelstätte.

Zur Besiedlung suchten sich die Kelten jedoch keine blühende Landschaft in Kleinasien, sondern ließen sich im kargen Gebiet Zentralanatoliens nieder. Hier gründeten sie das Königreich Galatien, so daß der Stamm die Galatier genannt wird (Galater ist die griech. Bezeichnung für Gallier). Von hier aus unternahmen sie gezielte Plünderungen in die fruchtbaren und reichen Länder Kleinasiens. Die Hügelfestungen und Burgen, die in literarischen Quellen angegeben werden, konnten nicht entdeckt werden. Fest steht, daß das heutige Ankara auf eine keltische Siedlung zurückgeht.

Wanderungen nach Süden:
Der erste Stamm, der über die Alpen nach Oberitalien gelangte, war der Stamm der Insubrer. Sie wurden in Oberitalien seßhaft und vermischten sich teilweise mit den dort lebenden Etruskern. Dies beweisen wiederum Grabfunde. So entdeckte man ein keltisches Grab, indem man Tongefäße mit etruskischem Graffiti - Muster fand.
Das Gebiet, das die keltischen Stämme besiedelten wurde als “Gallia cisalpina”, Gallien diesseits der Alpen, bezeichnet.

Die Kelten der zweiten große Siedlungswelle stürmten über die Alpen, überrannten die etruskischen Städte und breiteten sich in Oberitalien in der riesigen Po - Ebene aus. Sie gründeten Siedlungen, woraus die heutigen Städte Bologna, Rimini, Arcona und Mailand gewachsen sind. Diese gewaltige Ausbreitung führte zum Zusammenbruch des etruskischen Städtesystems. Plündernd zogen Gruppen nach Süden. Den Höhepunkt dieser Raubzüge bildete die Eroberung Roms im Jahre 390 v.Ch. Dazu kam es, als die etruskischen Stadtstaaten die junge römische Republik um Unterstützung gegen die Eindringlinge aus dem Norden baten.

Doch dieser Eingriff Roms beschleunigte nur den keltischen Vormarsch. Von der Stunde der Verwüstung an, wuchs die Furcht und das Mißtrauen der Römer gegenüber der “barbarischen Macht aus dem Norden”. Selbst als die Römer schon große Teile der keltischen Welt erobert hatten, ist diese Haltung in den Schriften deutlich zu lesen.
Wanderungen nach Südwesten:
Von Frankreich aus überquerten die Kelten die Pyrenäen und ließ sich auf der Iberischen Halbinsel nieder. Das Volk, das nun dort lebte, wurde die Keltiberer genannt. Dazu schrieb Diodorus Siculus: “Dieses Volk hat seinen Namen daher, daß es aus einer Vermischung der Iberer und der Celten entstanden ist, welche sich früher um den Besitz des Landes stritten, nachher aber sich aussöhnten, beisammen in demselben Lande wohnten und durch gegenseitige Heirathen sich verbanden. Als Abkömmlinge von zwei kräftigen Völkerstämmen, die überdies ein fruchtbares Land inne hatten, gelangten die Celtiberer zu großem Ansehen.” Nach Herodot lebten bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. Kelten in Spanien, was durch sprachwissenschaftliche Erkenntnisse und Inschriften bestätigt wurde.
Es gibt allerdings auch Vermutungen, daß die keltisch sprechenden Stämme Spaniens überhaupt nicht eingewandert sind, sondern, daß sich ihre Kultur und Sprache vor Ort gebildet hat, durch enge Kontakte über die Pyrenäen nach Frankreich.

Wanderungen nach Westen:
Im Westen ließen sich keltische Stämme in der Bretagne nieder sowie entlang der Loire und der Seine. Es wird vermutet, daß später einzelne Gruppen direkt nach Irland übersetzten.

Wanderungen nach Nordwesten:
Die Einwanderungen keltischer Stämme nach England und Irland erfolgten ebenfalls in mehreren Wellen. Dabei breitete sich die Besiedlung immer von England nach Irland aus.
Bei einer ältere Einwanderungswelle aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. wanderten keltische Volksstämme aus Nordostfrankreich ab. Veranlassung war die Unruhe in diesem Gebiet durch die Züge der Kimbern und Teutonen.
In England siedelten sich die Stämme zunächst an der Südküste an und verbreiteten sich von der Themsemündung aus, dem Lauf der Themse entlang, zur Westküste. Sie errichteten Ringwälle, was auf eine kriegerische Art der Ansiedlung schließen läßt. Als die Besiedlung vollendet war, setzten einige nach Irland über.
Auch aus Süddeutschland wanderten Stämme am Rhein entlang zur Nordseeküste, überquerten den Ärmelkanal und ließen sich in England nieder.

Zu Beginn unserer Zeitrechnung reichte das Siedlungsgebiet der keltischen Stämme von Irland bis Galatien und von Holland bis Italien und Spanien. Die Länder und Gebiete, die die Kelten zur Zeit Caesars bewohnten, gingen vollständig im Imperium Romanum auf. Die Stämme lösten sich vielerorts auf. Die Bevölkerung wurde nun als Romanen bezeichnet. Dennoch leben Traditionen vor allem im geistigen und religiösem Bereich bis zum heutigen Tage fort.

Wie sahen die Kelten aus?

Will man sich ein Bild vom Aussehen der Kelten machen, muß man stets bedenken, daß es sich dabei, wie gesagt, nicht um eine eigene biologische Rasse handelt, sondern um eine Kultur- und Sprachgruppe. In diese Kulturgruppe sind auch wesentliche Merkmale der jeweiligen Urbevölkerungen eingegangen, die die von den Kelten vereinnahmten Gebiete vorher bewohnten. Kelten, besser keltischstämmige Menschen gibt es heute noch. Es sind zum Beispiel die Waliser und die Bretonen. Diese zeichnen sich durch einen vergleichsweise kleinen Wuchs und Dunkelhaarigkeit aus. Das weitverbreitete Image der Kelten ist dagegen eher geprägt von den Beschreibungen der klassischen Autoren, die immer wieder den hohen Wuchs und die helle Haut- und Haarfarbe der Kelten hervorheben. So schreibt z.B. Diodorus Siculus: “Die Gallier haben einen hohen Wuchs, einen saftvollen Körper und eine weiße Haut. Ihre Haare sind nicht bloß von Natur gelb, sondern sie suchen diese eigenthümliche Farbe durch künstliche Mittel noch zu erhöhen.

Sie salben nämlich das Haar beständig mit Kalkwasser und streichen es von der Stirne zurück gegen den Scheitel und den Nacken, so daß sie fast wie Satyrn und Pane aussehen. Denn durch diese Behandlung wird das Haar so dick, daß es völlig einer Roßmähne gleicht. Den Bart scheeren Einige ab; Andere lassen ihn ein wenig wachsen. Die Vornehmen scheeren den Backenbart, aber den Knebelbart lassen sie stehen, so daß er den Mund bedeckt. Daher kommt er ihnen beim Essen zwischen die Speisen, und das Getränk fließt wie durch einen Seiher hinein”. Diese Beschreibung bezieht sich allerdings in erster Linie auf die herrschende Adelsschicht.
Die Gefolgschaften der adeligen Ritter setzte sich aber zum Teil aus Resten unterworfener einheimischer Stämme, mit entsprechend anderem Aussehen, zusammen. So ist es sehr schwierig, ein einheitliches Bild vom Aussehen der Kelten zu entwickeln, zumal auch die Aussagen über Haartracht, Kleidung und Schmuck sehr vielfältig sind und sich regional unterscheiden. So weiß man etwa von den Inselkelten (die Bewohner der Britischen Inseln) daß sich die Männer dort häufig ihre Körper großflächig blau tätowieren oder bemalen ließen. Allen Kelten gemeinsam scheint allerdings eine Vorliebe für gemusterte bunte Stoffe gewesen zu sein. Daß die Menschen bereits im 5. Jahrhundert v.Chr. die Kunst Karostoffe zu weben beherrschten, belegen Moorfunde. Die gallischen Männer trugen unter ihren Hemden oder Tuniken lange Hosen aus Wollstoff. Dadurch unterschied sich ihre Tracht eindeutig von der der Römer, die die langen Hosen als typisch barbarisch ansahen. Der Gebrauch von langen Hosen war ein Tribut an das rauhe Klima des nord-westlichen Europa und nicht, wie vielfach vermutet, eine praktische Bekleidung für ein Reitervolk, denn geritten sind bei den Kelten nicht viele und wenn, dann die adeligen Anführer. In Ermangelung von Knöpfen – die wurden erst im späten Mittelalter erfunden – wurden die Kleidungsstücke mit Fibeln und Spangen zusammengehalten. Üblich waren Gürtel, die bei den waffentragenden Männern zugleich als Schwertgehänge dienten. Interessant ist eine Überlieferung von Strabon nach der die Kelten bestrebt waren, nicht dick zu werden: wem sein Gürtel nicht mehr paßte, der wurde mit einer Strafe belegt. Überhaupt scheinen die Kelten sehr auf ihr Äußeres bedacht gewesen zu sein. Vielfach wird berichtet, daß sie eitel gewesen seien und stets bemüht, sich aufwendig und sorgfältig zu kleiden und zu schmücken.

An den keltischen Frauen loben die antiken Geschichtsschreiber deren körperliche Größe und Schönheit, den Mut und die Fruchtbarkeit. Die meisten Erkenntnisse über die Tracht der Frauen bieten die zahlreichen Schmuckfunde in Frauengräber. Über die Kleidung ist weniger bekannt doch läßt sich mit einiger Sicherheit sagen, daß sie ein ‚Peplos‘ trugen; ein Gewand aus zwei knöchellangen Stoffrechtecken, das um die Taille gegürtet und an den Schultern mit Fibeln zusammengehalten wurde. Dieser ‚Peplos‘ war in ganz Europa weit verbreitet und wurde auch von den griechischen Frauen getragen. Die langen Haare wurden von den Frauen mit Nadeln zu Frisuren aufgesteckt. Kopfbedeckungen scheinen eher unüblich gewesen zu sein. Ganz im Gegensatz zu der Sitte, sich zu schminken. Einen Hinweis darauf liefert Propertius, der die römischen Frauen kritisierte, weil sie sich bemalten wie die Britannierinnen. Sie taten das mit Hilfe eines Kosmetikmittels namens “Belgicus color”, das damals in Mode kam.

Schmuck in jeder erdenklichen Form und aus den vielfältigsten Materialien (sogar aus Schiefer oder Glas) hatte bei den Kelten einen hohen Stellenwert. Es wir vermutet, daß der Schmuck nicht nur Zeichen des Reichtums und des Status des Trägers war sondern auch symbolische und kultische Bedeutung hatte. So wurden Schmuckstücke auch den Göttern geweiht oder dienen als besonderes Merkmal bei Götterdarstellungen. Das Paradestück unter den Schmuckstücken ist ohne Zweifel der Torques, ein Halsring mit offenen Pufferenden, er ist bereits aus der Bronzezeit überliefert.

Der Torques wurde von Männern und Frauen gleichermaßen getragen. Allerdings verschwindet er um 300 v. Chr. Fast vollständig aus den Frauengräbern. Man vermutet, daß der Torques ab dieser Zeit ausschließlich als Kennzeichen der Würdenträger und Krieger Verwendung fand. Schließlich sei erwähnt, daß bei den Frauen Ohr- und Fingerringe erst mit der römischen Eroberung in Gebrauch kamen.

Nicht nur über das Aussehen der verschiedenen keltischen Stämme wußten die klassischen Autoren viel zu berichten, auch über deren charakterliche Eigenschaften wissen die Quellen einiges zu sagen. Dabei hört sich vieles nicht nach typischem Feindbild an – im Gegenteil: Römer und Griechen lobten viele Eigenschaften. Zum Beispiel hoben sie die Gastfreundschaft und Großzügigkeit der Kelten hervor, ihre Sauberkeit, ihre Wißbegier und Intelligenz und schließlich ihr großes Geschick im Handwerk und Kunsthandwerk. Selbst Eigenschaften, die den Eroberern im Kampf schwer zu schaffen machten, gereichten den Kelten zur Ehre. Tief beeindruckt zeigten sich die Römer, so auch Julius Cäsar, der darüber in seinen Berichten über die Gallischen Kriege schrieb, von deren Mut, Tapferkeit und Stärke.

Völlige Verblüffung dürfte sich bei den Römern breitgemacht haben, als sie sich auf dem Schlachtfeld mit Horden von nackt kämpfenden Männern konfrontiert sahen. Diese Gewohnheit mancher Keltenstämme ist ein Zeugnis ihres Selbstbewußtseins und ihrer Todesverachtung. Allerdings verschaffte es den gut gerüsteten Römern den oftmals entscheidenden strategischen Vorteil, nachdem die erste Verwunderung verschwunden war.
In den Kelten sahen Römer und Griechen die Ursprünglichkeit und Naivität von Kindern erhalten. Cato schrieb: “Zwei Dinge sind es, auf welche die Gallier Wert legen: auf die Gloire und auf den Esprit!”
All dieses Lob darf natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, daß sich in Kelten und Römern zu manchen Zeiten erbitterte Feinde gegenüber standen. Es muß aber auch darauf hingewiesen werden, daß beide Kulturen im Laufe der Jahrhunderte sehr stark voneinander profitiert haben. So entstand zum Beispiel ein reger Handel von Rohstoffen, Kunsthandwerk und Lebensmitteln in beide Richtungen. Doch davon später mehr.

Die Häuser der Kelten

Die Siedlungskultur der keltischen Stämme ist von drei Elementen geprägt: der Wanderung, der Landwirtschaft und der Seßhaftikeit. Auch bei der Frage der Siedlungsformen stellt sich das Problem der regionalen Unterschiede und der Länge des zu betrachtenden Zeitraums. So finden wir über den keltisch besiedelten Bereich so ziemlich alles vertreten, was es an Formen und Materialien für den Hausbau damals gegeben hat. Und auch die Größe der Siedlungen variiert vom Einzelgehöft in unzugänglichen Waldgebieten über stadtähnlichen Gemeinden bis hin zu befestigten Wohn- und Wehranlagen. Zwei Beispiele für keltischen Hausbau sollen hier herausgegriffen werden: die gallischen und britannischen Holzhäuser und die Rundtürme in Schottland.
In Frankreich und England fanden die Archäologen zahlreiche Überreste von großzügigen Holzhäusern. Während die Festlandbauten rechteckig angelegt waren, findet man in England runde Häuser mit einem Durchmesser zwischen 5 und 15 Metern. Beide Häusertypen wurden in Rahmenbautechnik errichtet: zwischen die stützenden Holzbalken wurde ein Flechtwerk gelegt, das dann häufig mit Lehm verputzt war. Das hohe Dach war mit Stroh eingedeckt und bot Platz zur Aufbewahrung von Lebensmitteln, die im durch das Strohdach abziehenden Rauch konserviert wurden. Zentraler Punkt der Häuser war die offene Herdstelle.

Die meisten Kelten besaßen nur wenige oder überhaupt keine Möbel. Diese Eigenart haben sie sich aus der Zeit der Wanderungen bewahrt, da sperriger Hausrat und den Aufbruch und die Reise behindert hätte. Trotzdem waren die Hütten nicht schlecht ausgestattet: Zum Schlafen und Sitzen gab es Bünde aus Heu oder Stroh. Bei den wohlhabenden waren sie mit Tierfellen bedeckt. Die Archäologen vermuten auch, daß die Wände der Häuser mit gestickten Wandbehängen versehen waren, was bestätigen würde, daß es den Kelten eher auf tragbare Einrichtungsgegenstände ankam, als daß sie ihre Häuser aufwendig verziert hätten. Das Essen wurde manchmal auf sehr niedrigen Holztischen angerichtet. Überhaupt scheinen die Kelten sehr viel Wert auf gutes und reichliches Essen gelegt zu haben. Davon zeugen die zahlreichen, zum Teil aufwendig verzierte, Küchengerätschaften und die Beschreibungen von Festlichkeiten, die gerne und häufig abgehalten wurden. Bestandteil eines jeden Haushaltes waren Feuerböcke aus Ton oder Eisen, die nicht nur praktischen sondern auch religiösen Zwecken gedient haben dürften.

Text: Christine und Annett
 

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