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Online-Magazin - Magazine - Ausgabe 3 - 1999

 Zeitreisen III - Renaissance - (etwa 1420 - 1620)

Der Begriff “Renaissance” kommt aus dem Französischen und bedeutet Wiedergeburt. Die Epoche der Renaissance steht für die Wiedererweckung des klassischen Altertums und das Wiederaufblühen der Künste. Sie kennzeichnet auch den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Während mit dem Begriff Renaissance die Gesamtkultur definiert wird, d.h. das Zusammenspiel aller Komponenten wie Architektur, Kunst, Literatur, Musik, Politik und Wirtschaft, gibt es für die wissenschaftlich - geistige Entwicklung in diesem Zeitraum eine andere Bezeichnung, den Humanismus. Zusammen prägen sie ein sich neu entwickelndes Weltbild...

Die Epoche der Renaissance nahm in Italien, genauer in der Toskana und hier in Florenz ihren Anfang. So wird Florenz oft auch als die Wiege der europäischen Kultur bezeichnet. Die Renaissance breitete sich mehr oder weniger stark in Europa aus, wobei die nördlich der Alpen gelegenen Länder diesem neuen Stil erst spät und nur zögernd folgten. Die Verbreitung verdanken wir den Gelehrten, Künstlern, Kaufleuten und Handwerkern, die Bildungsreisen nach Italien unternahmen. Sie wurden von den neuen Erkenntnissen, der neuen Kultur und überhaupt vom italienischen Geschmack beeinflusst und nahmen die damals ungewohnten Gedanken mit in ihre Heimat

Ein entscheidendes Merkmal der Renaissance ist die uneingeschränkte Lebensbejahung und die angestrebte Entfaltung des Individuums. Die Welt wurde nach wie vor als göttliche Schöpfung betrachtet, und um die göttliche Harmonie und Schönheit zu begreifen, forschte man nach den Gesetzten der Natur. Ebenso versuchte man, diese Harmonie und Schönheit auf die Kunst zu übertragen und ihr feste Regeln zu verleihen.

Damit so eine gewaltige Umwälzung stattfinden kann, muß das Bestehende im Verfall begriffen und überholt sein. Um dies zu verdeutlichen, ist ein Ausflug in die Geschichte nützlich: In Italien war die weltliche und kirchliche Herrschaft durch den Kampf zwischen Papst und Kaiser und den Untergang des staufischen Herrscherhauses stark erschüttert. Das Rittertum konnte keinen ausreichenden Wehrstand mehr bilden.

Das aufstrebende Bürgertum übernahm mehr und mehr die Kontrolle der Wirtschaft und schließlich auch der Politik. Es entstanden neben dem Kirchenstaat und den Königreichen Neapel und Sizilien unabhängige Stadtstaaten in Florenz, Venedig, Mailand und Bologna. Diese oberitalienischen Städte blühten durch eine rationalisierte Handels- und Finanzwirtschaft rasch auf. So besaß beispielsweise Venedig das Monopol des Orienthandels und Florenz wurde das Zentrum für Bankgeschäfte (vor allem durch die Familie der Medici). In dieser Weise wurde die religiös-politische Macht des Mittelalters von einer intellektuell gestützten Wirtschaftsmacht bedrängt und Schritt für Schritt abgelöst.

Oft in der Geschichte, wenn ein Wandel unvermeidlich, doch noch keine neuen Ideen geboren waren, besann man sich auf die alten Werte. So folgte die Rückbesinnung auf die kulturelle Tradition Italiens, die Kultur der Römer, die vieles einst von den Griechen übernommen hatte. Römische Bauten, zum Studium der Architektur, standen gewissermaßen vor der Haustür. Man lernte Latein und Griechisch, um sich umfangreiches Wissen aneignen zu können. Von diesen Vorbildern leitete man gerade in der Architektur Maße für die eigenen Bauwerke ab.

Die ersten Ansätze gingen von einer einzigen, in ihrer Individualität und künstlerischen Entwicklung stark geprägten Persönlichkeit aus: Filippo Brunelleschi. Sein Name steht für eine grandiose technische Leistung, der Einwölbung der Florentiner Domkuppel mit einer doppelschaligen Konstruktion. Bedeutende weitere Bauwerke in Florenz folgten. Die Frührenaissance (1420 - ca. 1500) blieb ausschließlich auf Florenz beschränkt.

Um das Aussehen eines Baus plastisch zu veranschaulichen und die Gesamtwirkung vorab zu ergründen, wurden hölzerne Architekturmodelle entworfen. Diese architektonischen Entwurfs- und Darstellungsformen haben bis heute ihre Gültigkeit behalten. Der Baumeister entwickelte sich vom oft anonym dienenden Handwerker zum eigenständig schaffenden, hoch angesehenen Künstler.

Im Gegensatz zur gotischen Baukunst soll die Renaissance auf ein menschlich begreifbares Maß reduziert werden, d.h. jedes Element wird sowohl zu dem benachbarten Element, als auch zu dem Gesamten des Baus in ein wolhberechnetes Verhältnis gesetzt. Maße, Verhältnisse und Proportionierungen der angewandten Elemente werden auf menschliche Maße zurückgeführt oder waren Ausdruck der himmlischen Harmonie und Schönheit.
Die Ausgewogenheit der Proportionen wird durch die vorrangige Verwendung von regelmäßigen und geometrischen Formen erreicht . Die Grundformen in der Renaissance sind die Kugel (Kreis) und der Würfel (Quadrat). So weisen die meisten Bauten eine strenge, festgelegte Gliederung auf .

Während im Mittelalter das Hauptanliegen der Architektur der Bau von Kirchen war, rückten nun die Paläste der wohlhabenen Kaufleute, die öffentlichen Gebäude (vor allem Rathäuser) und Befestigungen in den Vordergrund. Außerdem besaß, wer etwas auf sich hielt, ein Landhaus oder eine Villa außerhalb der Stadt. Hier entsprach dem Ideal der Renaissance die freie Lage, die einen schönen Ausblick über die Landschaft gewährte.

Erstmals wurden Profanbauten errichtet, die über die reine Nützlichkeit weit hinausgingen und als repräsentative Wohnsitze den Status des Besitzers anzeigten. Diese monumentalen Stadtpaläste bezeichnet man als Palazzo (von "Palatium", dem lateinischen Namen des Palatin, jenem Hügel Roms, auf dem Kaiser Augustus und seine Nachfolger wohnten). Die Palazzi wirken in ihrem äußeren Erscheinungsbild geschlossen und wehrhaft, der Innenhof dagegen ist gewöhnlich von Arkaden und Loggien umrahmt und kunstvoll ausgestaltet. Dies entspricht ebenfalls der Lebensgrundhaltung der Renaissance, der wachsenden Bedeutung des Individuums: nach außen abweisend, doch offen und fördernd nach innen, zu sich selbst.

Wie erwähnt, wurde auf eine nach außen zurückhaltende, doch bestimmten Regeln unterworfene Gliederung geachtet. Meist kommt in jedem Geschoß eine andere Gliederung zur Anwendung: so wurde das Erdgeschoß aus gröber behauenen Steinquadern gebaut, die mit kleinen rechteckigen Fenstern versehen waren. Dazwischen verliefen dorische Säulen. Die zwei darüber liegenden Stockwerke (drei Stockwerke sind ein klassisches Merkmal der Renaissance) wurden oft mit Rundbogenfenstern versehen, wobei im ersten Stock ionische Säulen zwischen den Fenstern verliefen und im zweiten korinthische.

Ein typisches Merkmal der Landhäuser sind die Fassaden, die häufig nach dem Vorbild des klassischen Tempels angelegt und mit einer großen Freitreppe versehen sind. Dadurch wird die Öffnung zur Natur verstärkt hervorgehoben.

Der ideale Kirchenbau dieser Epoche war eine völlig symmetrische um einen zentralen Punkt angeordnete Konstruktion. Der Altar gehörte nach diesem Konzept in die Mitte der Kirche und die Gemeinde versammelte sich um ihn. Die einzig angemessene Bekrönung war die Kuppel (Halbkreis). Sie symbolisierte das Universum.

Ein weiteres gern verwendetes Schema war die Benutzung einer einzigen Ordnung (überwiegend korinthische Säulen), die sich über alle Stockwerke erstreckte und somit die Fassade zusammenfaßte. Als Vorbild diente hier der römische Triumphbogen.

Die Architekten widmeten ihre Aufmerksamkeit nicht nur den einzelnen Gebäude, sondern der gesamten Stadtplanung. Es entstanden regelmäßig angelegte Plätze, die sogenannte Piazza. Sie war das architektonische Zentrum der italienischen Städte und hatte die Funktion einer großen Empfangshalle. Die Regelmäßigkeit wurde durch die meist vorhandenen Arkadengänge noch verstärkt.

In Frankreich und Deutschland war die Gotik so dominant, daß sich der neue Baustil vor allem bei den Kirchen kaum durchgesetzt hat. So wurde der Renaissanceschmuck (Säulen, Arkaden) nur an den gotischen Bauwerken integriert. Die neuen Ideen wurden am häufigsten bei der Errichtung von Rathäusern und Schlössern verwendet.

In England verschmolzen die Elemente der Gotik mit den Einflüssen der italienischen Renaissance. Diese Richtung wird auch als elisabethanischer Stil bezeichnet. Die italienischen Stadtstaaten waren der Nährboden für die sich entwickelnde neue Kunst und Kultur. Vor allem die Medici waren kunstsinnige Mäzene, die die Künstler förderten und dadurch das Kunstschaffen anregten.
Sie legten den Grundstein für eine der größten Sammlungen der Welt, die man noch heute in den Uffizien in Florenz bewundern kann. Die Galerie der Uffizien wurde, als typischer Renaissancebau, eigens dafür errichtet .

Der Mensch und seine diesseitige Umgebung rückten auch in der Kunst in den Vordergrund und wurden dadurch in einem seit der Antike unbekannten Maß darstellungswürdig. Jedoch übernahmen die Künstler nicht einfach die antiken Vorbilder, sondern ihr Streben nach der Erfassung aller Phänomene des diesseitigen Lebens öffnete ihnen die Augen für die Werke der antiken Kunst

Natürlich blieb der Künstler auch nach wie vor an kirchliche Auftraggeber gebunden, doch versuchte er die göttliche Ordnung der Schöpfung im Diesseits zu veranschaulichen. Im Gegensatz zum Mittelalter, wo der Künstler oft anonym blieb, sind nun volle Signaturen und biographische Fakten bekannt. Die Kunst wurde zur Wissenschaft, bei der das Studium der Perspektiven und der menschlichen Anatomie einen besonders großen Raum einnehmen. Neue gestalterische Probleme wurden wissenschaftlich analysiert und systematisiert. Außerdem wurden die Proportionslehre und die Optik entwickelt. So bemühte man sich in der Bildhauerei und in der Malerei um körperliche Erscheinungen der Figuren und Gegenstände, um Raumerschließung und Idealisierung und um eine realistische Formung der Landschaft. Das Gewand, welches bisher eine ausdruckssteigernde Rolle einnahm, wird zurückgedrängt. In der Malerei wagte man sich außerdem an räumliche Tiefenillussionen.

Bedeutende Vertreter der Frührenaisance sind beispielsweise Donatello, Brunelleschi und Masaccio, später in der Hochrenaissance kamen unter anderen Raffael, Albrecht Dürer, Leonardo da Vinci, Michelangelo, Tizian und Botticelli dazu.

Eine besondere Erwähnung verdient die Skulptur. Die jahrhundertelange Vorstellung, daß die Skulptur ihren Platz nur in Verbindung mit der Architektur haben sollte, und ihr damit untergeordnet ist, wird aufgegeben. Der vollkommene menschliche Körper wurde in der Bildhauerei zum Ideal. Er wurde sorgfältig studiert. Vor allem die vom christlichen Mittelalter als sündig abgelehnte Nacktheit wird nun in vollem Maße darstellungswürdig. Eine der schönsten Statuen ist der von Michelangelo geschaffene David. Neu war auch, daß die Statuen mitten auf den Plätzen aufgestellt wurden, wo sie die Kraft und Würde des Menschen noch stärker verkörperten, als in den Nischen der Häuser.

Die Hauptwerke der Renaissance waren Denkmal, Grabmal und Porträts.

Die künstlerisch folgenreichste Errungenschaft war die Entdeckung der Perspektive. Nun konnte auf einer ebenen Fläche eine dreidimensionale Realität wirklichkeitsgetreu wiedergegeben werden. Dies war für die Skizzen sehr bedeutungsvoll, denn man hatte nun eine Vorstellung wie das geplante Kunstwerk aussehen würde. Eine wichtige Rolle spielte diese Entwicklung bei der Innenausstattung von Gebäuden. Gerade in den Städten war das Bauland begrenzt. Um dennoch gewaltige Repräsentationsräume zu schaffen, wurden diese durch optische Täuschungen mit malerischen Mitteln erweitert.

Die Entdeckung der Perspektive war auch eine große Bereicherung in der Malerei. Es konnten Gestalten im Raum angeordnet werden, der zugleich dreidimensional definiert und begehbar erschien. Von den Niederlanden kamen die Ölfarben nach Italien und man verwendete nun die Leinwand. Die Skizze erlebte ebenfalls einen Siegeszug in der Malerei. Eine zentrale Bedeutung kam auch hier der menschlichen Gestalt zu. Durch Plastizität sollten die Menschen möglichst lebenswahr wiedergegeben werden. Man arbeitete mit vielen Licht- und Schatteneffekten. Ein Meister war Michelangelo. Wie in seinen Skulpturen schuf er plastische, heroische Formen, die seine Besessenheit vom menschlichen Körper bezeugen. Er verfügte über eine so große Kenntnis der Anatomie, daß er ohne Modelle arbeiten konnte.

Im Handwerk trat neben der Arbeit auf Bestellung nun vermehrt die Produktion von Waren, die für den freien Verkauf hergestellt wurden. Auch gewann der Verkauf auf Märkten und Messen an Bedeutung. In den italienischen Stadtstaaten lockerten sich allmählich die Zunftbindungen. So beteiligten sich beispielsweise Bildschnitzer und Maler an der Herstellung von Möbeln. In Deutschland hielten die Zünfte an ihren alten Traditionen fest, was eine erforderliche Rationalisierung zur Befriedigung der gesteigerten Nachfrage verhinderte.

Im sakralen wie im profanen Gebrauch blieben die Möbeltypen des Mittelalters vorherrschend. Lediglich das spätgotische Faltwerk auf den Möbelfüllungen wurde ersetzt durch Sockel, Säulen und antike Motive wie Masken, Hermen oder Löwenköpfe, analog zu den architektonischen Kompositionen. Die Truhe blieb das wichtigste Kastenmöbel und erhielt jetzt phantasievolle Ausführungen z. B. mit Löwenfüßen. Truhen, Betten und Schränke standen häufig auf Sockeln und erhielten so eine monumentale Bedeutung. Die Stuhlformen wurden vielfältiger: zu den Falt-, Klapp- und Scherenstühlen gesellten sich Stühle mit hoher geschnitzter Rückenlehne und wuchtige vierkantige Stühle. Die Sitzmöbel hatten Ledersitze oder gelegentlich schon textile Polsterungen. Auch die Tische wuchsen zu mächtigen Proportionen heran. Ein Grund für die Entwicklung war, daß die Möbel nicht mehr transportiert, sondern als feste Einrichtungsgegenstände etabliert wurden.

Da neben dem Wohnwert die Repräsentation eine große Rolle spielte, mußte auch geeignete Möbel geschaffen werden. Der Kabinettschrank war als Schreibmöbel ein Statussymbol des gebildeten Mannes, der seine Arbeit nun am Schreibpult tat. Er wurde aber auch zur Ausstellung der Kostbarkeiten verwendet.

Für die Möbel verwendete man in Frankreich, Italien bis nach Süddeutschland überwiegend Nußbaum oder Esche. Im Norden bevorzugte man weiterhin die Eiche. Aus Übersee wurden nun farbige Hölzer wie Ebenholz und Mahagonie eingeführt. Außerdem benutzte man für die Intarsien Elfenbein, Perlmutt und Schildpatt. Die Kabinettschränke und Truhen wurden auch mit Silberbeschlägen versehen.

Mit dem gesteigerten Wohlstand wuchs zugleich die Freude am Ausstatten. So wurde zur Dekoration der Wände die Tapete eingeführt.

Da neben dem Wohnwert die Repräsentation eine große Rolle spielte, mußte auch geeignete Möbel geschaffen werden. Der Kabinettschrank war als Schreibmöbel ein Statussymbol des gebildeten Mannes, der seine Arbeit nun am Schreibpult tat. Er wurde aber auch zur Ausstellung der Kostbarkeiten verwendet.

Für die Möbel verwendete man in Frankreich, Italien bis nach Süddeutschland überwiegend Nußbaum oder Esche. Im Norden bevorzugte man weiterhin die Eiche. Aus Übersee wurden nun farbige Hölzer wie Ebenholz und Mahagonie eingeführt. Außerdem benutzte man für die Intarsien Elfenbein, Perlmutt und Schildpatt. Die Kabinettschränke und Truhen wurden auch mit Silberbeschlägen versehen.

Mit dem gesteigerten Wohlstand wuchs zugleich die Freude am Ausstatten. So wurde zur Dekoration der Wände die Tapete eingeführt.

Der Reichtum der Städte und die geistige Aufgeschlossenheit der Bürger spiegeln sich natürlich auch in der Kleidung wieder. Die Kleider der Reichen waren bevorzugt aus Samt und Brokat gefertigt. In der Frauenkleidung teilten sich das oft mit Schnürungen versehene Mieder und der rundgeschnittene Rock endgültig. Dafür wurde ein Gürtel fast unentbehrlich. Der Rock fiel in dichten Röhrenfalten. Unter dem Obergewand wurde ein Hemd getragen, daß am Hals und an den Ärmeln hervorschaute. Beliebt waren auch anliegende Oberteile mit einem breiten Ausschnitt. Dieser wird jedoch häufig von einem feingefätelten Leinenhemd oder von reichlich Kettenschmuck bedeckt. Die Mäntel waren weit und faltenreich und meist mit einem hohen Stehkragen ausgestattet.

Das Haar wurde entweder aufgesteckt oder aber als Hängezöpfe getragen, offenes Haar war nicht erwünscht . Zum Kirchgang trägt die Frau den sogenannten Goller über dem Ausschnitt. Als typische Kopfbedeckung erlebt die Haube ihre Blüte.

Das charakteristische Kleidungsstück der Männer war die sogenannte Schaube, die sich aus den mantelartigen Oberröcken entwickelt hatte. Sie hatte einen oft bis über die Schultern reichenden Kragen und weite bauschige, geschlitzte Ärmel. Im Laufe der Zeit wurde sie immer kürzer und reichte schließlich bis kurz über das Knie. Dies war ursprünglich die Mode der Landsknechte, die der reiche Bürger nun übernahm. Als "Zerschnitten" und "Zerhauen" wurde diese Mode oft bezeichnet. Aus den geschlitzten Ärmelpuffern quoll der Stoff des kostbaren Untergewandes. Das Hemd, einst als Unterhemd entstanden, wurde nun verziert und man ließ den Kragen, der mit einer Krause umgeben war, immer höher aus dem Rock herausschauen. Die Beinkleidung teilte sich in Kniehose und Strümpfe, die auch durch Knöpfe miteinander verbunden waren. Die typische Kopfbedeckung dieser Zeit wurde das Barett, oft mit Federn verziert. Darunter trug man ein sogenanntes Calotte. Der Kopfschmuck wurde von allen Ständen getragen und erfreute sich großer Beliebtheit. Das Haar wurde immer kürzer und eckiger geschnitten und bedeckte meist nicht einmal mehr die Ohren. Dafür kamen die verschiedensten Bartformen zu ehren, beispielsweise Kinnbärte oder auch ein schmaler Streifen, der von einem Ohr zum anderen verlief

Etwa die gleiche Form hatten auch die "Kuhmaulschuhe", die nach vorn eckig und breit waren.

Zu einer Bereicherung der Kleidung wurde die "Erfindung" der Nachthemden und der Nachthauben. Sie waren teilweise so kostbar gefertigt, daß sie generell als Hauskleidung getragen wurden.

Auf den Schmuck zur Präsentation wurde besonders viel Wert gelegt. Schwere und üppige Ketten, viele Ringe und Medaillons wurden getragen. Die Gewänder der Adeligen waren bunt und reich bestickt mit Emblemen und Edelsteinen.

Währenddessen bevorzugten Bürger und Gelehrte dunkle Töne in ihrer Kleidung, auch verzichteten sie größtenteils auf Stickereien

Bei der Renaissance - Mode in Deutschland stimmten die Proportionen und Funktionen der Kleidung mit den Proportionen des Körperbaus überein. Die Mode war durch eine schlichtere Eleganz als die der italienischen Renaissance gekennzeichnet, hervorgerufen durch die humanistischen Ideen, die sowohl dem antifeudalen Bewußtsein des wachsenden Bürgertums entsprungen sind, als auch durch das wachsende Selbstbewußtsein der arbeitenden Schichten hervortraten.

Ebenso fällt in der Musik die Blickrichtung auf den Menschen. Die Musik war geprägt von der Ausgewogenheit und Harmonie der Klänge. In Italien entstanden die ersten Opern.

Auch in der Literatur wurden die antiken Kunstformen wie Epos, Lyrik, Satire, Dialog, Biographie und historische Erzählungen wiederaufgenommen. Eine neue Kunstform, aus Italien stammend, ist die Novelle.

Der Humanismus ist die geistige Grundlage der Renaissance. Er förderte die Herausbildung des Nationalbewußtseins und die Pflege der jeweiligen Nationalsprache. Er steht auch für die beginnende Ausprägung der Persönlichkeit, der Befreiung des Individuums. Die Humanisten des 14. - 16. Jahrhunderts galten als Vorbilder antiker Gelehrsamkeit, einer auf geistiger Bildung aufgebauten Menschlichkeit. Kennzeichnend für den Humanismus waren die Rückbesinnung auf die kulturellen Leistungen des antiken Römertums, ein steigendes Interesse an philosophischen, historischen und politischen Fragen sowie an realistischen Naturerklärungen. Er richtete sich gegen die politischen Auflösungserscheinungen der norditalienischen Staaten und die vielfach erstarrte und unwissenschaftliche Theologie und kirchliche Dogmatik

In Deutschland herrschte eine ähnliche Situation. Allerdings waren weite Teile des Landes nie von den Römern besetzt, so daß man sich nicht auf eine antike Tradition stützen konnte. Der große Unmut gegen die Kirche wurde durch die Prunksucht der Renaissancepäpste verstärkt. Im Geiste der Renaissance verglich man die kirchliche Praxis mit ihren Ursprüngen und die Forderungen nach Reformen wurden immer lauter. Die Reformverweigerung von Papst und Kaiser führte schließlich zur Spaltung der Kirche und zur Herausbildung der protestantischen Konfession. Nach Auffassung der Protestanten kann der Mensch als Ebenbild Gottes diesem nur direkt dienen und gegenübertreten ohne die Vermittlung durch Maria und den Heiligen. Ebenso konnten die Kunst und die großen Bauten nicht zur Vermittlung beitragen. Lediglich ein Geistlicher wurde akzeptiert. Aus diesem Grunde verlor auch der Sakralbau in den protestantischen Gebieten seine herausragende Stellung

Aus dem gesunden Individualismus der Frührenaissance entwickelte sich im Laufe der Zeit eine maßlose Selbstverherrlichung, bedingt durch das Streben der Fürsten nach Ruhm und Macht. Die Übergänge zur sich anschließenden Stilrichtung des Barocks sind sehr fließend.

Text: Annett

Siehe auch unsere Buchempfehlungen und Linksammlung, die sich mit dem Thema Renaissance beschäftigen.

 

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